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WIE LANGE BRAUCHT

MAN, UM ZU

BEMERKEN,

DASS MAN SEIN HANDY

VERLOREN HAT?

SIEBEN

MINUTEN.

EOM:

Abkürzung für »End of Message« oder »End of

Mail«. Wenn Sie Chats beenden möchten, bevor das 201.

Herzchensmiley hin und her geht: »OAO« – over and out.

mich auf dem kürzesten Weg zum Ziel brin-

gen. Plus: Ich habe Kommunikationsrituale

gebrochen, die sich eingeschlichen hatten.

Dinge wie: ständiges Standby-Sein, ständig

kommunizieren, auch im Urlaub, oder E-Mails

checken, auch wenn man gar keine Zeit hat

zu antworten, z. B. im Straßenverkehr. Und

ganz wichtig: Schluss mit dem Multitasking!

Heute bin ich, gleich was ich tue, wieder zu

100 Prozent bei der Sache: Wenn ich esse,

esse ich, wenn ich telefoniere, telefoniere ich,

wenn ich maile, maile ich – ich versuche nicht

mehr, alles gleichzeitig und dadurch nichts

mehr richtig zu machen. Diese Aufmerksam-

keit für andere, dieses Präsent-und-dabei-

menschlich-Sein, ist ganz sicher einer meiner

Erfolgsfaktoren.

DAS SCHÖNSTE KOMPLIMENT, DAS MAN JEMAND MACHEN

KANN, IST UNGETEILTE AUFMERKSAMKEIT?

Richtig. Einfach das Handy in der Tasche las-

sen. Auf der Beziehungsebene ist das ein Ga-

rant für größtes Glück und Innigkeit. Beruf-

lich macht das Abschalten extrem effizient

und die ungeteilte Aufmerksamkeit beglückt

Kollegen, Mitarbeiter, Chefs und natürlich

Kunden gleichermaßen. Ausprobieren!

WORAN ERKENNT MAN EINEN HANDY-ZOMBIE?

Neulich erzählte mir ein Vortragszuhörer,

er sei mit seiner Frau im Bett gelegen und

habe an seinem iPad rumgemacht, bis er

eine Nachricht seiner Frau, die neben ihm

lag, bekam, da stand drin: »Schatz, ich liege

übrigens neben dir!« Das erklärt, warum die

Geburtenrate nicht aus dem Keller kommt.

SOFORTNACHRICHTEN FÜHREN ZU BEZIEHUNGSSTRESS?

Klar. Und wie! Handys generell tun das. Jeder

Zweite ist eifersüchtig auf das Handy des

Partners. Wir sind alle Hobby-Japaner: Wir

fotografieren alles und erleben weniger, und

wir sind Hobby-Stalker – wir flippen aus,

wenn der Partner für Sekunden nicht erreich-

bar ist. Besonders arm finde ich Beziehun-

gen, bei denen die Geo-Daten des anderen

als Liebesbeweis eingefordert werden. Ich

kann nur empfehlen, sämtliche Funktio-

nen zu deaktivieren, die Auskunft darüber

geben, wann man zuletzt online war, wann

man eine Nachricht gelesen hat, wo man sich

gerade befindet und so weiter. Die digitale

Schwarmdummheit hat hier bereits zu Ent-

lassungen und zu Scheidungen geführt. Das

Ätzende ist, die Dienste verdienen ja mehr,

je mehr wir kommunizieren. Das heißt: Diese

Kontrollfunktionen (Paradies für Kontroll-

freaks) werden immer wieder geöffnet, auch

wenn wir sie abgestellt haben. Nachjustieren

ist Aufwand, aber er lohnt sich.

FÜR VIELE SCHEINT DAS HANDY EINE ART LEBENSPARTNER

ODER EIN PARTNERERSATZ ZU SEIN …

Handys können räumliche Distanz außer

Kraft setzen. Das empfinde ich als Segen. Das

macht Fernbeziehungen und auch die Eltern

glücklich. Gleichzeitig hat diese digitale Nähe

Grenzen. Werden diese permanent über-

schritten, wird das Handy als Ersatzbefrie-

digung missbraucht. Wir beginnen virtuelle

Beziehungen zu führen, die der Realität

nicht standhalten. Wir tippen Dinge, die wir

Menschen nicht ins Gesicht sagen würden.

Wir verwechseln Smileys mit Zuneigung und

Herzchen mit Liebe. Damit beginnt es. Es

endet meist unschön. Für viele ist das Handy

auch einfach nur eine Beschäftigungsthera-

pie. Wir müssen wieder lernen, es zu genie-

ßen, nichts zu tun, und das, was wir denken,

erst mal in Ruhe für uns selbst denken und

nicht sofort kommunizieren. Weniger ist

mehr denn je. Am besten Sie fangen heute

damit an!

/ EOM

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