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WENN WICHTIGER

WIRD, DASS MAN

KOMMUNIZIERT, ALS

WAS MAN KOMMUNI-

ZIERT, HAT DAS MIT

PRODUKTIVITÄT NICHTS

MEHR ZU TUN. DAS IST

BLINDER AKTIONISMUS.

abzuschalten. Wenn die Zeitung in Druck ist,

defragmentiert man das Hirn, um Platz zu

schaffen für den nächsten Arbeitstag. Ohne

diese Fähigkeit wäre ich ausgebrannt. Einige

meiner Weggefährten hatten diese Fähigkeit

nicht. In meinem Freundes- und Ex-Kollegen-

kreis gibt es mehr Burnout-Fälle als Kinder … 

DIE ONLINE-ARBEITER HABEN IHRE STÄNDIGE ERREICHBARKEIT

QUASI SELBST PROPAGIERT?

Das tun sie heute noch. Und jetzt lassen wir

die »Digital Natives« mal außen vor. Die leben

ja auch nur die Medieninkompetenz nach, die

vorgelebt wird. Sehen Sie sich Twitter-Pro-

file von klugen Menschen an: Da werden im

Halbstundentakt 140 Zeichen »Blubb« in den

Äther der Unwichtigkeit gejagt, nur unter-

brochen von sechs Stunden Schlaf. Wann

leben diese Menschen? Und wovon leben sie?

Von 140 Zeichen Luftgitarre?

IST DER AKTUELLE INTERNET-BOOM WIEDER EINE BLASE?

Hellsehen überlasse ich Hellsehern. Wenn ich

mit Start-up-Unternehmern spreche, kann

ich nur sagen: Wir haben dieselben Fehler

gemacht. Heute wiederholen sie sich – das

müsste nicht sein. Wir wollten in den 90ern

auch nur die Chancen, alles andere haben wir

ignoriert. Wenn du in Goldrauschstimmung

bist, fällt das auch leicht. Du arbeitest rund

um die Uhr – und hast Spaß dabei. Man ver-

wechselt seinen Online- und Kommunikati-

onsaktionismus mit Produktivität. Ich selbst

kommuniziere gerne und denke schnell. Das

habe ich vorgelebt und von meinen Mitar-

beitern auch eingefordert. Ich habe täglich

bis 23 Uhr, 24 Uhr gearbeitet und bin mit

dem Handy ins Bett. Niemand hat mich dazu

gezwungen; ich wurde nicht ausgebeutet. Das

kam aus mir selbst. Bis ich nach über zehn

Jahren erkannt habe: Wenn wichtiger wird,

dass man kommuniziert, als WAS man kom-

muniziert, ist das ist blinder Aktionismus.

SIE WARNEN VOR DER DIGITALEN DAUERABLENKUNG. WARUM?

Weil sie unsere Konzentrationsfähigkeit

zerstört. Das ist ein gewaltiges Problem.

Wenn ich ständig versuche, alles gleichzei-

tig zu tun, mache ich nichts mehr richtig.

Harvard-Ärzte nennen die Dauerablenkung

inzwischen »ADT – Attention Deficit Trait«.

Namensvater Dr. Edward Hallowell geht

davon aus, das heute jeder zweite Manager

unter ADT leidet. Das heißt: Er lässt sich von

der nächsten Unterbrechung, z. B. Spam-

E-Mail, sagen, was er als nächstes tut und

nicht von seiner Priorisierung.

Wer die Regeln ändern will, muss sie vorleben und

neu kommunizieren. Wichtig: Formulieren Sie im

Plauderton, bloß nicht wie ein Gesetzbuchautor.

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