PKP BBDO oder: I had a dream
Damit Sie es gleich wissen: Ich wurde von PKP BBDO bezahlt. Für meine Leistungen als Digital Mastermind, nicht für eine Hymne auf meiner Website. Ich schreibe sie dennoch, damit Sie wissen, warum ich gerne und so besonders gerne etwas tat, was ich eigentlich nie wieder tun wollte. Und seien Sie versichert, mit meiner Ehrlichkeit mache ich mir mehr Feinde als Ihnen lieb wäre.
Als ich meinen Agenturschreibtisch 2007 verließ, um wieder auf der Medienseite zu arbeiten, war ich mir sicher: NIE wieder Agentur. Nicht, dass es nicht schön war. Es war mehr als das. Aber nach knapp 10 Jahren Agenturarbeit, vorwiegend als Online-Predigern, war ich des Missionierens, des Seelsorgens und des 24/7-Dienst-Leistens müde.
Integrierte Agenturen schwindeln konvergent
Hinzu kam, dass ich an der österreichischen Agenturszene und ihrer „Entwicklung“ irgendwie verzweifelt bin. Diese Verzweiflung kam, nachdem ich als Cyber-Jurorin 2006 in Cannes gesehen und erlebt hatte, wie weit internationale Werbeagenturen — allen voran amerikanische wie Crispin Porter — den österreichischen voraus waren. Peinlich war das. Hierzulande waren zwar alle total in Aufruhr, weil das Internet sich “ur-langsam” aber “ur-sicher” doch als ein Massenmedium herausstellte, so dass man es als Werber auch dann nicht länger ignorieren konnte, wenn man seit Jahren mit dem Kunden per Du war und die Plakate vor der Garage des Vorstands immer „so erfolgreich“. Aber, etwas ändern? Wieso denn auch? Simma doch alle gut Freund! Haben wir aber alle ein Problem.
Problem? Am besten wir integrieren es!
Ein Problem? Am besten wir integrieren es. Dann ist es weg. Gedacht, getan. „Integriert“ wurde zum Zauberwort. Es gab auf einmal ganz viele „integrierte Agenturen“ mit „ganzheitlichen Ansätzen“, allesamt voll auf „360 Grad“ und in Summe „total konvergent“. Scheußlich. Ich hasse diese Ausdrücke, weil ich der Meinung bin, dass man sie nicht braucht, wenn man das lebt, was man damit verkaufen will. Gut, ich war ja dann auf Medienseite, dort aber nicht in Sicherheit. Online-Medien leben nämlich von Werbung. Und besonders gerne von Werbung, die den Kunden beglückt und die User unterhält, nicht stört.
Digitale Nacktmulche in den Top 30
Kennen Sie solche Werbung? Mehr als dreißig Beispiele? Aus Österreich? Ich nicht. Aber ich kenne zwei Dutzend Werbeagenturen unter den Top 30, die es heute immer noch schaffen, ohne digitale Kompetenz Kunden in ihrer „integrierten Kommunikations- und Werbestrategie“ zu beraten. Und natürlich kenne ich eine Handvoll Web-Kreativagenturen, die in der Lage sind, ebenfalls „integrierte Kommunikations- und Werbestrategien“ umzusetzen, weit über digitale Medien hinaus. Meine Ex-Agentur holzhuber impaction zum Beispiel. (Spätestens jetzt merken Sie, dass ich für diesen Text nicht bezahlt werde. Oder: doppelt bezahlt und dreifach gehasst.)
Ein Dilemma, seine Lösung, die neue Losung
Ein Dilemma ist das. Ich verstehe nicht, warum so viele kluge Kommunikations- und Kreativeköpfe anscheinend folgendes nicht begreifen: Das Internet ist keine technische Plattform, die man ignorieren kann oder von Programmierern mit „Online-Adaptionen“ von „klassischen Kampagnen“ bespielen. Bevor Sie so etwas tun, geben Sie mir Ihr Geld, ich kauf Ihnen ein Lotterie-Los, das ist gewinnträchtiger!
Leute, das Internet ist ein Massenmedium
Und ebenso wie das Handy, viel mehr als das. Beide sind unsere persönlichsten Kommunikationsinstrumente, und auch die meist frequentierten. Und das nicht erst seit gestern. Ich sage nicht, dass die Kommunikation deshalb nur online und am Handy stattfinden soll, aber ich bin der Meinung, sie muss hier, und je nach Zielgruppe und Kommunikationsaufgabe hier ganz besonders stattfinden und alle genialen Möglichkeiten ausschöpfen, die beide Medien bieten — in Summe nämlich alles, was TV, Radio, Inserat, Plakat, Promotion und alle anderen Werbeheiligen einzeln betrachtet können und vermögen.
Suppe, super, suppito – und alles digital
Genug der Brandrede, ich beruhige mich schon wieder. Ich hab mich ja rechtzeitig in die Selbstständigkeit gerettet. Und mein Seelenheil hat mir PKP BBDO zurück gegeben. Als 7-monatiges Interims-Digital Mastermind der Werbeagentur ist meine Verzweiflung Freude gewichen. Österreichs Top 10-Werber haben alles, was ich mir immer von einer Werbeagentur erträumt habe. Alles, wofür ich gerne arbeite, trotz „nie wieder Agentur“: Top Kreative, top Berater, top Markenführung und Kommunikationsphilosophie und: jede Menge Leidenschaft. Und digitale Kompetenz? So viel, dass man sie verschweigen kann, wenn man so normal denkt wie ich! Dennoch eine Portion Know-how gefällig?
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